Kaum jemand denkt spontan an eine ISG Blockade, wenn er im unteren Rücken mit heftigen Schmerzen konfrontiert wird. Da werden eher Ischias, Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule als Ursache vermutet. Analog dazu ist auch das Iliosakralgelenk an sich nahezu unbekannt.
Das soll dieser Artikel ändern. Wir beschreiben die Funktion der Iliosakralgelenke, ordnen die ISG Blockade neben anderen Beschwerden ein, thematisieren die Ursachen für dieses Leiden und zeigen auf, was du vorbeugend tun kannst, um von all diese Beschwerden verschont zu bleiben.
Wir erläutern in diesem Zusammenhang auch, unter welchen Bedingungen das Radfahren perfekt geeignet ist, ISG Blockaden zu verhindern.
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Inhaltsübersicht
- Die Iliosakralgelenke
- Die ISG Blockade
- Abgrenzung zwischen ISG Blockade und anderen Leiden
- Die Ursachen für die Beschwerden
- Vorbeugung
- Radfahren gegen ISG Blockaden
- ISG Blockade vermeiden beim Radfahren
- Unterstützung der Heilung
Die Iliosakralgelenke
Die beiden Iliosakralgelenke verbinden unser Becken mit der Wirbelsäule. Sie befinden sich zwischen dem Kreuzbein und den beiden großen Beckenschaufeln am Darmbein.
An sich sind beide Gelenke relativ unbeweglich. Doch sie sind wichtige Stoßdämpfer. Denn die Knorpelschicht in diesen Gelenken absorbiert die Stoßkräfte aus Geh- und Lauf-Bewegung und das schützt die Wirbelsäule. Gleichzeitig leiten die Gelenke die Gewichts-Belastung aus dem Oberkörper schonend an die Beine weiter.
Die ISG Blockade
Damit die Iliosakralgelenke bei ihrer Arbeit nicht überlastet werden, sind sie beim gesunden Menschen durch starke Bänder, Muskeln, Bindegewebe und Faszien stabilisiert. Schwächelt dieses stabilisierende Geflecht, kommt es bei starken Belastungen zu Verschiebungen und Blockaden im Iliosakralgelenk, die sich in Form von starken Schmerzen bemerkbar machen: ISG Blockade (auch ISG-Syndrom, Beckenblockade oder Kreuzbein-Darmbein-Blockade genannt).
Dabei kann der Schmerz einseitig oder beidseitig auftreten und bis in andere Bereiche des Körpers ausstrahlen. Genau das macht eine präzise Diagnose relativ schwierig:
Abgrenzung zwischen ISG Blockade und anderen Leiden
Es gibt mehrere verschiedene Leiden, die ähnliche oder gleiche Symptome ausbilden können, wie eine ISG Blockade. Dazu zählen Ischias-Nerv, Hexenschuss und Bandscheibenvorfall.
So kann ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule lokal auf die Nervenwurzeln drücken, es kann aber auch zu einer Reizung im Bindegewebe kommen, in dessen Folge ganz andere Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, zum Beispiel der Ischias-Nerv.
Ischias-Beschwerden können aber auch durch eine Verkrampfung des Piriformis-Muskels im Gesäß hervorgerufen werden.
Ähnliche Schmerzen im unteren Rücken können aber genauso gut durch einen Hexenschuss kommen, dessen Ursache sowohl ein Bandscheibenvorfall, als auch eine Muskelverspannung sein kann.
Wenn nach der Schmerzursache gesucht wird, müssen Lendenwirbelsäule, Iliosakralgelenke und Ischias also immer als Gesamtkomplex betrachtet werden. Und die Beckenmuskulatur und das vegetative Nervengeflecht in den Faszien und im Bindegewebe zählen ebenfalls dazu.
Trifft der Arzt anhand der Symptom-Beschreibungen des Patienten hier voreilig die falsche Diagnose, kann daraus eine falsche Behandlung resultieren, bis hin zur überflüssigen Operation.
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Die Ursachen für die Beschwerden
Allerdings ist mittlerweile unumstritten, dass alle oben erwähnten Beschwerden in den meisten Fällen durch unseren Lebensstil verursacht werden und nicht durch angeborene oder vererbte Auslöser (wie z. B. Bindegewebsschwäche oder unterschiedlich lange Beine). Zu den schlimmsten Risiko-Faktoren zählen in dieser Hinsicht:
- Übergewicht (ungesunde Ernährung und Überernährung)
- Bewegungsmangel (zu langes Sitzen, zu wenig Sport und Bewegung)
- Falsche Körperhaltung (beim Sitzen, beim Heben von Lasten, usw.)
- Überlastung (einseitige Belastung, High-Impact-Sportarten, usw.)
Bewegen wir uns nämlich zu wenig, werden Muskulatur, Bindegewebe und Faszien nicht ausreichend trainiert. Damit bleibt die Stabilisierung der Gelenke (Wirbelsäule, ISG, usw.) an den Bändern hängen. Kommt es dann durch Übergewicht, Fehlhaltungen, stoßartige Belastungen oder unglückliche Bewegungen zu einer Überbeanspruchung dieser Bänder, treten Verspannungen, Blockaden, Dysbalancen, Verletzungen oder Verschleiß auf.
Es liegt also nahe, schon möglichst frühzeitig durch einen gesunden Lebensstil obige Risiko-Faktoren auszuschließen, um gar nicht erst mit Schäden und Schmerzen konfrontiert und dann am Ende auch noch ärztlich falsch behandelt zu werden. Reden wir also über die Vorbeugung:
Vorbeugung
Im Rahmen der Vorbeugung liegt der Fokus vor allem auf gesunder Ernährung und viel Bewegung. Denn daraus leiten sich viele andere Risiko-Faktoren für Beschwerden an ISG, LWS und Ischias ab:
• Die Ernährung
Wir essen zu viel und oft das Falsche. Das begünstigt nicht nur Übergewicht, sondern auch Mangelerscheinungen und unnötige Belastung in unseren Organen. Vor allem Fast Food, Süßigkeiten, Fertigprodukte, fettreiche Kost und stark gesalzene Snacks dominieren nicht selten unseren Speiseplan. Aber diese Dinge enthalten kaum Vitamine, Nährstoffe, Ballaststoffe und Mineralien, dafür aber viel Chemie, z. B. Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und andere hormonaktive Substanzen.
Viel besser sind dagegen Gemüse, Obst, Vollkorn-Produkte, Nüsse und am besten möglichst unbehandelte Lebensmittel. Damit stimmt der Vitamin- und Mineralien-Haushalt und das sorgt für einen gesunden Knochenbau und kräftiges Bindegewebe.
Bei den Getränken sieht es ähnlich aus: Vor allem Alkohol und gezuckerte Getränke richten große Schäden an unserem Knochengerüst und in unseren Organen an. Besser sind stilles Wasser und ungesüßter Tee.
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• Bewegung und Sport
Das andere große Problem in unserer Gesellschaft ist der chronische Bewegungsmangel. Wer im Job viel sitzt, braucht zum Ausgleich viel Bewegung. Stattdessen sitzen wir dann aber auch in unserer Freizeit, z. B. im Auto, im Fernsehsessel oder im Biergarten. In der Folge verkümmern unsere Rumpf- und Becken-Muskeln und die Stabilisierung der Iliosakralgelenke wird ausschließlich von den Bändern übernommen, was eine ISG Blockade begünstigt.
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Wenn wir aber Sport und Bewegung in unseren Alltag integrieren wollen, sollten es auch die richtigen Sportarten sein. Denn vor allem die High-Impact-Sportarten (die meisten Ballsportarten und Kontaktsportarten) bringen allgemein ein hohes Verletzungs- oder Überlastungs-Risiko mit. Nicht nur, aber auch für die Iliosakralgelenke. Das wäre also kontraproduktiv.
Sport gegen ISG Blockaden
Zum gesündesten Sport zählen hier moderat betriebene Ausdauersportarten, allen voran Schwimmen, Radfahren, Joggen, Nordic Walking und Ski Langlauf. Dabei ist neben der Intensität vor allem die Regelmäßigkeit wichtig, um nachhaltig eine gesunde und stabile Rumpf- und Becken-Verfassung zu bewirken.
Aber auch die Ausdauersportarten haben Nachteile an sich: So erfordert Schwimmen für die Allermeisten eine mehr oder weniger weite Anfahrt und Ski Langlauf ist nur saisonal zu betreiben.
Joggen kann zudem auf zu hartem Untergrund die Kniegelenke belasten und beim Nordic Walking benötigst du deutlich mehr Zeit, um den gleichen Energieumsatz zu erwirken, wie beim Joggen, Schwimmen oder Radfahren.
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Radfahren gegen ISG Blockaden
Doch das Radfahren ist vor diesem Hintergrund für viele wahrscheinlich die ideale Lösung: Fahrradfahren stärkt nicht nur die Beinmuskulatur, sondern auch Bindegewebe, Rumpf- und Beckenmuskulatur.
Das Fahrrad dient dabei als Sportgerät und Verkehrsmittel und lässt sich ohne weite Anfahrt zum Einsatz bringen, nämlich direkt von der Haustüre aus. Die Intensität der sportlichen Betätigung ist über die Gangschaltung fein dosierbar und die Gelenke werden nicht belastet. Besser geht es kaum.
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Kein anderer Sport lässt sich derart problemlos in den Alltag integrieren, wie das Radfahren. Dadurch wird er auch nicht als zusätzliche, zeitliche Belastung empfunden, sondern eher als sinnvoller Bestandteil des Alltags. Das reduziert auch das Rückfall-Risiko bei Menschen, die sich nach langer Inaktivität endlich mal zum Sport aufgerafft haben.
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Allerdings kann auch das Radfahren selbst zur Ursache von ISG Blockaden werden. Damit genau das nicht passiert, im Folgenden einige Tipps zum Radfahren:
ISG Blockade vermeiden beim Radfahren
• Die Oberkörperhaltung
Insbesondere bei einem dauerhaft stark vorgebeugten Oberkörper können im Iliosakralgelenk Scherkräfte wirken, die Verspannungen nach sich ziehen. Günstiger wäre also auf Dauer eine aufrechte Oberkörperhaltung mit 15° bis 20° Neigung. Dann steht der Oberkörper noch ausreichend unter Spannung (was der Rumpfmuskulatur zugutekommt), Stoßbelastungen aus dem Untergrund schlagen aber nicht ungedämpft in die Wirbelsäule durch.
Um eine solche Oberkörperhaltung zu erreichen, muss das Fahrrad in seiner Geometrie perfekt zur Anatomie des Radfahrers passen. Das betrifft Rahmengröße, Lenkerhöhe und Sattelhöhe. Alle Tipps dazu:
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• Die Federung
Federung am Fahrrad kann die Belastung durch Stöße aus dem Untergrund deutlich reduzieren. Das kommt allen Gelenken zugute, also auch den Iliosakralgelenken. Es muss aber nicht gleich ein vollgefederter Rahmen sein. So reicht für die Schonung der Wirbelsäule eine gefederte Sattelstütze, im Idealfall eine Parallelogramm-Sattelstütze.
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• Die Bekleidung
Mit der richtigen Fahrradbekleidung lässt sich die Dämpfung sogar noch vergrößern: Eine Radhose mit hochwertigem Sitzpolster und gut gepolsterte Fahrradhandschuhe erhöhen nämlich nicht nur den Fahrkomfort, sondern sie entlasten auch die Gelenke.
Und in der nasskalten Jahreszeit ist ein guter Kälteschutz im Becken-Nieren-Bereich sehr förderlich gegen Verspannungen und Unterkühlungen, die sich nicht selten auch auf die Gelenke auswirken.
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Unterstützung der Heilung
Erwischt es dich trotz aller Vorbeugung dann doch, muss zunächst einmal ärztlich abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine ISG-Blockade oder etwas anderes handelt (siehe oben). Im Anschluss daran wird eine zielführende Behandlung festgelegt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden im Rahmen dieser Behandlung dann auch Physiotherapie und Wärme zum Einsatz kommen.
Insbesondere die Kräftigungsübungen aus der Physiotherapie sind aber auch schon im Rahmen der Vorbeugung geeignet. Es schadet also nicht, sich schon vor dem Auftreten erster Schmerzen vom Physiotherapeuten geeignete Übungen zeigen zu lassen. Alternativ findest du aber auch in Yoga, Pilates oder Rückengymnastik die passenden Übungen.
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Haftungsausschluss
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